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Peter Ablinger:
ÜBERSETZUNGEN 1-8
1997


Gummiringe auf Karton gespannt, Noten und Anweisungen
als Überarbeitung von Gedichten von Yoko Tawada auf Zeichnungen von Gerhard Brandl




erste Skizze zu den "Übersetzungen", Tintenzeichnung: Peter Ablinger

Brief Peter Ablingers an Gerhard Brandl, Mai 1997

"Eigentlich" ist musikalische SCHRIFT nicht wirklich fähig ein - wie immer ungleichseitiges - Dreieck in Verhältnis zu Graphik und Literatur zu bilden, weil Schrift in der Musik meist noch nicht das Werk sondern nur ein Hilfsmittel zu seiner Realisierung darstellt. Graphik und Literatur ist prinzipiell für jede/n lesbar, notierte Musik dagegen braucht einen Mittler, einen ausgebildeten Spezialisten (Instrumentalist etc.), der das Notierte erst hörbar macht. Und weiters ist Schrift keine Voraussetzung für Musik und damit das in diesem Punkt angestrebte Dreiecksverhältnis "normalerweise" illusorisch.

Umso mehr hat es mir Freude bereitet über das Problem nachzudenken, den Normalfall auszutricksen, und eine Lösung zu finden in der der Betrachter der Bilder, der Leser der Texte und der Spieler der Musik DERSELBE sein kann.

Zu Ihrer Anfrage über Ideen zur musikalischen Realisierung habe ich mir erlaubt diese auf der Rückseite eines der Blätter festzuhalten. Meine Vorstellung ist also dahingehend daß alle 8 Blätter DAS STÜCK sind, welches - am liebsten - gleichzeitig von mehreren Ausstellungsbesuchern gespielt/gelesen/betrachtet werden kann.

Die Idealvorstellung ist also ein Raum in dem die 8 Blätter hängen (und sonst nichts) in dem NICHT GESPROCHEN wird (es sei denn zum nicht ausgeschlossenen lauten Lesen der Texte von Yoko Tawada) und wo durch die gleichzeitige Anwesenheit mehrerer Betrachter/Leser/Spieler einerseits ein MEHRSTIMMIGES Klangstück, andererseits ein lose verknüpfter Kontrapunkt aus Text, Bild und Klang entsteht.



Tintenskizze zu allen 8 Bildern. Die horizontalen, meist dunklen Balken skizieren die grafische Vorlage von Gerhard Brandl, die gepunkteten Stellen deuten die Textstellen von Yoko Tawada an, und die vertikalen Linien sind die gespannten Gummiring-Saiten, die je mit einer Stecknadel oben und unten am Zeichnungskarton festgehalten werden.


Anweisung zur "Auffühung" der Übersetzungen
(notiert auf der Rückseite einer der Grafiken):


AUSSTELLUNG/LESUNG/AUFFÜHRUNG

VORZUGSWEISE HÄNGEN ALLE 8 STÜCKE (GRAPHIKEN/SCHRIFTBILDER/RESONANZOBJEKTE) IN EINEM RAUM FÜR SICH ALLEIN.

VORZUGSWEISE KÖNNTEN SICH 2-7 PERSONEN IN DIESEM RAUM ALLEIN MIT DEN STÜCKEN AUFHALTEN UM SIE ZU BETRACHTEN ZU LESEN UND ZU SPIELEN.

DAS SPIELEN DER STÜCKE:
GESCHIEHT DURCH DIE BESUCHER DER AUSSTELLUNG. HÖCHSTENS 7 SOLLEN ES GLEICHZEITIG SEIN DAMIT IMMER EIN STÜCK FREI BLEIBT ZUM WECHSELN. GESPIELT WIRD MIT DEM FINGER DURCH SANFTES ANZUPFEN DER SAITEN. DIE NOTATION ZEIGT DIE ANZAHL DER HINTEREINANDER ANZUSCHLAGENDEN TÖNE. NACH JEDER ZEILE IST EINE PAUSE (,)



Notentext zu einer der 8 Grafiken
"SEITE ZART ANSCHLAGEN (ETWA SPRECHTEMPO)"



Katalog:
Gerhard Brandl: "Zeichensetzung",
Ausstellungskatalog der Galerie Maerz, Edition Gruppe für angewandte Texte, Linz, 1999


related:
Klänge auf Papier

see also:
Prosepieces, Photos, Objects ("Music without Sounds")



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