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Peter Ablinger:
Quadrat



WEISS / WEISSLICH 7
"Quadrat" für 1 Lautsprecher (1994), 4'

4 Minuten weisses Rauschen. 4 Minuten alles. (P.A.11/03)

> released CD

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ZEITVERTRIEB WIEN BERLIN
Dr. Siegwald Ganglmair, Ruprechtsplatz 4-5/10, A - 1010 Wien,
T: ++43 / 699 / 103 183 74, AB/F: ++43 / 1 / 535 12 66


Die erste Version von Weiss/weisslich 7 (1994) beläßt das Rauschen ja noch genau so ungestaltet, unbearbeitet und unbegrenzt, wie das gewissermaßen seiner Natur entspricht. Aber zugleich skizzierte ich auch das Stück "Quadrat" für 1 Lautsprecher, bestehend aus genau vier Minuten weißen Rauschens. Natürlich sollte das die bessere Übersetzung des weißen Quadrates sein. Besser, weil (lautes) Rauschen durch seine Absorptionsfähigkeiten und das Maskieren leiser Nebengeräusche (Magengrummeln!) gewissermaßen noch stiller (weil informationsloser) ist als die Stille und weil es im Gegensatz zu Cages 4'33" nicht auf die Zwischenübersetzung von Rauschenberg, sondern sozusagen auf den Urtext von Malewitsch zurückgreift. Aber so spekulativ diese Überlegung bereits ist, die eigentliche Frage lautet: Wie lange muß Rauschen sein damit es ein Quadrat wird? Oder etwas technischer: gibt es eine zwingende Relation zwischen Bandbreite (Spektrum) und Dauer? Gibt es ein zwingendes Maß für Dauer? Was ist ein Quadrat in der Musik? Eigentlich möchte man ja weiterspekulieren, daß, wenn das Spektrum weiß und also unendlich ist, auch die Dauer unendlich sein müßte. Aber ich hab noch nie jemand gefunden der das bestätigt hätte und der im Gegenteil nicht geneigt wäre, die lange Dauer eines Rauschklanges etwa als langgezogenes Querrechteck zu empfinden. Ich hatte immer vor, dem weiter nachzugehen: Ich wollte verschiedenen Freunden und Kollegen Rauschen vorspielen, um sie danach zu fragen, wie lange es erklingen müsse, damit sie es als Quadrat empfinden könnten. Die einzelnen Stücke der daraus resultierenden Serie würden dann heißen: Quadrat für Klaus Lang, Quadrat für Maria de Alvear, Quadrat für Daniel Rothman, Quadrat für Jürg Frey, Quadrat für Alvin Lucier, Quadrat für Makiko Nishikaze.

(Peter Ablinger, aus: "Metaphern", 2004)


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