back to: worklist


Peter Ablinger:
Das Arboretum Seitelschlag
Ulrichsberg, Oberösterreich







Das Arboretum Seitelschlag
1. Akt der "Landschaftoper Ulrichsberg" 2009
Tag der Baumpflanzung: 4. April 2008

Eine knappe Stunde nördlich von Passau, im Dreiländerdreieck Deutschland, Österreich, Tschechien liegt, im Bundesland Oberösterreich, auf 626 m Seehöhe die Marktgemeinde mit ca. 3000 Einwohnern. 2009 war Ulrichsberg und seine Umgebung Austragungsort der "Landschaftoper" von Peter Ablinger, ein 7-teiliges Werk, das den Ort Ulrichsberg und die ihn umgebende Landschaft selbst zum Thema machte. Die 7 Teile sind auch die 7 Akte der Oper, wobei jeder Akt ein völlig unterschiedliches und unabhängiges Ereignis ist, jeder Akt im Grunde eine eigene Kunstform (Baumpflanzung, Wanderung, Konzert, Ausstellung, etc.) darstellt. 1. Akt der Landschaftoper ist das Arboretum, gepflanzt: Frühjahr 2008.
    Act I of the “landscape opera” 2009. Date of planting: April 8 2008. Just under an hour north of Passau in the triangle between Germany, Austria and the Czech Republic, in the state of Upper Austria, the small hamlet of roughly 3000 inhabitants lies at the height of 626 m. In 2009 Ulrichsberg and its surroundings has been the venue of the “landscape opera” by Peter Ablinger, a work of seven parts the subject matter of which is precisely the place of Ulrichsberg and the landscape surrounding it. The seven parts are also the acts of the opera. Each act represents a completely different and independent event; basically each act is its own art form (planting trees, walking, concert, exhibition etc.). Act I of the landscape opera is the arboretum – planted in the spring of 2008.


Piero della Francesca: Madonna mit dem Kind, ca. 1470, Detail.
Die Maler der Frührennaissance ordneten in ihren Landschaftshintergründen die Bäume noch unter weitgehender Vermeidung von Überschneidungen an. Die Nicht-Überschneidung wurde zum Modell für das Ulrichsberger Arboretum in Seitelschlag.
    Piero della Francesca: Madonna with child, ca. 1470, detail. The painters of the early renaissance period ordered their landscape backgrounds for the most part avoiding any overlap. The nonoverlapping character became the model for the Ulrichsberg arboretum in Seitelschlag.


Modell "della Francesca", erste Skizze (Fotomontage):
von bestimmten Standpunkten aus gibt es keine Überschneidungen der Bäume und Sträucher. Die Nicht-Überschneidung im Visuellen ist Hinweis auf diejenige im Akustischen. Die Anordnung nach Klangfarbe und Laustärke des Baumrauschens, in Kombination mit der räumlichen Separierung alleinstehender Solitäre soll die subtilen Klangunterschiede im Freien hörend nachvollziehbar machen.
    Model „della Francesca“, first sketch (photomontage): from certain points of view, there is no overlap of trees and shrubs. Non-overlap in the visual is a reference to that of the acoustic. The arrangement according to sound colour and volume of the tree-rustlings, in combination with the spatial separation of solitaires is to make the differences in sound comprehensible while listening outdoors.


Lineament mit Kardinalpunkt -
Grundriss des Grundstücks in Seitelschlag, Ulrichsberg:
Grüne Punkte: die 20 Bäume des Arboretums; 3 davon wurden aus früherem Bestand übernommen, 17 Bäume wurden neugepflanzt. Gepflanzt wurde - bis auf 2 Ausnahmen - ausschließlich auf den bestehenden Rain- und Grundstücksgrenzen.
Rote Linien: Von einem einzigen Punkt aus, welcher an einem Weg, 781m weit weg vom entferntesten der 20 Bäume liegt, erscheint die Perspektive teilweise aufgehoben: nähere und entferntere Bäume erscheinen alle ohne Überschneidungen, in gleichem Abstand voneinander aufgefädelt.
    Lineament with cardinal point – Layout of the lot in Seitelschlag, Ulrichsberg: Dots: the 20 trees of the arboretum; 3 of which were already in existence, 17 trees were newly planted. Planting was limited – with 2 exceptions – to the existing balk and boundaries of the properties. Lines: from a single point which lies on a path 781 metres from the furthest of the 20 trees, perspective seems partly annulled: all trees, whether close or further away, appear beaded without overlap, equidistant to each other.


Ansicht vom Kardinalpunkt aus wenige Jahre nach der Pflanzung.
    View from the cardinal point, a few years after planting.


Ansicht vom Kardinalpunkt aus in etwa 30 Jahren.
Bäume von links nach rechts: Esche, Eiche, Pappel, Ulme, Ahorn, Robinie, Birke, Birke, Tanne, Eiche, Holunder, Tanne, Tanne, Weissdorn, Espe, Tanne, Robinie, Erle, Ebereschenpaar.
    View from the cardinal point, about 30 years after planting. Trees from left to right: ash, oak, poplar, elm, maple, locust, birch, birch, fir, oak, elder, fir, fir, whitethorn, aspen, fir, locust, alder, a pair of mountain ash.


Gleiche Ansicht eingebettet in ihre Umgebung; links im Bild der Ort Seitelschlag.
    Same view embedded in its surrounding landscape; left: the village Seitelschlag.

Projektleitung: Alois Fischer
Standort: Seitelschlag, Gemeinde Ulrichsberg, Oberösterreich
Grundstückseigner: Binder Walter, Egginger Walter, Kasper Günter, Lang Walter, Pühringer Rupert, Wögerbauer Bernhard u. Roswitha, Niederleitner Andrea
Naturschutzbeauftragter des Bezirks Rohrbach: Hofrat Prof. Dr. Wilfried Dunzendorfer
Agrarbezirksbehörde: Dienststelle Linz
Die "Landschaftoper Ulrichsberg" fand statt im Rahmen des Kulturhauptstadt-Jahres "Linz 09".





Detailansicht am Tag nach der Pflanzung, 8. April 2008
    detail on the day after planting, April 8, 2008


gleiche Ansicht, Juli 2010
    same detail, July 2010


Ansicht vom Kardinalpunkt, Juli 2015
    View from the cardinal point, July 2015




In der schematischen Darstellung (Ansicht vom Kardinalpunkt) sind die 4 Tannen als schwarze Dreiecke abgebildet. Durch ihre auch in der Natur dunkle Farbe akzentuieren sie gewissermaßen das Zentrum des Arboretums.




Der Stellplan (Draufsicht) zeigt die Anordnung der 20 Bäume entlang der Raingrenzen. Die 4 Tannen bilden dabei ein unregelmäßiges Viereck welches die beiden kleinen Baumarten des Arboretums, den Weißdorn und den Holunder, in seine Mitte nimmt. Wegen ihrer geringeren Wuchshöhe werden Weißdorn und Holunder auch nie so laut sein wie große, ausgewachsene Bäume. Sie stehen daher nahe am Weg. Ganz im Gegensatz dazu etwa die Pappeln und Birken, die sich auf große Distanzen hinweg hörbar machen können, und demnach auch weit vom Weg entfernt gepflanzt wurden.

Die meisten Bäume des Seitelschlager Arboretums sind sommergrüne Bäume (Mai bis Oktober) und der für das Hören ausgewogenste Monat dürfte der August sein, bzw. die Zeit nach der Ernte umgebender Felder und vor dem allzu weit fortgeschrittenen Austrocknen der Blätter. Aber auch der Winter spielt eine klangliche Rolle in diesem "Stück". Zum einen sind die 4 Tannen immergrün und werden üblicherweise erst so richtg hörbar wenn die Bätter der sommergrünen Bäume abgefallen sind. Zum anderen neigen die (Stiel-)Eichen dazu, ihre trockenen rostbrauen Blätter bis zum Frühjahr zu behalten, und auch die schotenartigen Früchte der beiden Robinien bleiben über den Winter am Baum und tragen so zum klanglichen Geschehen in dieser Jahreszeit bei. Hellblau eingezeichnet sind also die 8 Bäume des Winterarboretums.




Weisses Rauschen ist - analog zum Licht - jener Klang der alle anderen Klänge beinhält. Bäume rauschen nicht "weiss" sondern in unterschiedlichen Rauschfarben. Um diese Klangfarben zu beschreiben, und um sich der Unterschiede im Rauschen hörend bewußt zu werden, können Vergleiche mit unseren der Sprache entnommenen Vokalen und Konsonanten eine erste Orientierungshilfe bieten. In der Zeichnung oben sind daher jedem Baum ein oder mehrere Vokale und Konsonanten zugeordnet, welche - insbesondere im Vergleich mit anderen Bäumen - in die jeweilige Spezies hineingehört werden können. (Diese Art der Beschreibung bezieht sich auf den Sommerzustand des Arboretums.)


back to: worklist

this page was created by Aljoscha Hofmann. last edited 07.07.2010 CET