back to: worklist


Peter Ablinger:
Das Arboretum Magdalenenberg
Villingen, Schwarzwald







Das Arboretum Magdalenenberg
Entwurf zur Pflanzung mehrerer Baumkreise nach akustischen Gesichtspunkten
(nicht realisiert)

zum Standort:


Das auf seinen Klang hin gestaltete Arboretum ermöglicht die Wahrnehmung der Tatsache, dass unterschiedliche Baumarten im Wind unterschiedliche Formen und Klangfarben von Baumrauschen produzieren. Die visuelle Erscheinungsform eines Arboretums kann dabei verschiedene Formen annehmen. Die spezifische Anordnung richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten: Bodenbeschaffenheit, Geschichte, Grundstücksverhältnisse, Landschaftsbild und Art der Zugänglichkeit spielen dabei eine Rolle.

Ein Arboretum kann als Wegstrecke gestaltet sein, die es abzuwandern gilt, oder eine feste Hörerposition voraussetzen, von der aus die Bäume wahrgenommen werden wie ein Konzert. Es kann geometrisch angeordnet sein, z. B. als Baumkreis, oder wie im Englischen Garten die Natur nachbilden. Es kann monochrome, nur aus einer einzigen Spezies bestehende Klangräume schaffen oder wie ein Ensemblestück die unterschiedlichen Klangfarben der Bäume zur Geltung bringen etc.

Zu den verschiedenen Erscheinungsformen siehe:
Weiss/Weisslich 26, Skizzen für ein Arboretum

Die Aufstellung der Bäume des Arboretums berücksichtigt praktische, außerkünstlerische Kriterien wie Bodenbeschaffenheit (nicht jede Baumart gedeiht z.B. auf kalkarmen Böden), Ökologie (nur ortsübliche Bäume werden verwendet), Kulturlandschaftsschutz (die Kreisform des Keltengrabes wird weiter entwickelt), Wurzeltyp (ausgesprochene Flachwurzler würden sich nicht mit landwirtschaftlicher Nutzung vertragen) und rein klangliche Kriterien wie vor allem Lautstärke und Klangfarbe des Rauschens.

Die vom Keltengrab übernommene Kreisform bestimmt nun auch den Entwurf für das Arboretum auf dem Villinger Magdalenenberg.


2 konzentrische Kreise mit gemischten, aber ausschließlich hoch-
wüchsigen Baumsorten (Vorstudie, Fotomontage)


Der Entwurf zur Gesamtanlage besteht aus 6 Baumkreisen, davon 4 Kreise mit je nur einer einzigen Baumart, und einem konzentrischen Doppelkreis mit gemischten Bäumen, die gemeinsam mit der großen alten Eiche und dem Keltengrab ein Ensemble ergeben, das sich in seiner nord-südlichen Ausdehnung über knapp 500 Meter erstreckt.

Beschreibung der Gesamtanlage (siehe Bild unten) von links (Süden) nach rechts (Norden): südlicher Kreis bestehend aus 10 hochstämmigen Weißdorn-Bäumchen; rechts davon: die alte Eiche; unterhalb der Eiche, das grüne Kreisrund ist der Keltenhügel, im Osten an den Waldrand anschließend; rechts von der Eiche: Baumkreis mit 9 Espen (Zitterpappeln); anschließend der Doppelkreis mit innen 5, außen 13 Bäumen gemischter Spezies; unterhalb davon und näher am Wald: kleiner Birkenkreis mit 6 Bäumen; nördlichster Kreis: bestehend aus 8 Eichen; (noch weiter nördlich sind die zur Stadt Villingen abfallenden Streuobsthänge erkennbar).


Die Gesamtanlage mit einem konzentrischen Doppelkreis und 4 kleineren Kreisen. Norden ist im Bild rechts. (Fotomontage)

Primärer Anlass solcher Pflanzungen ist das Interesse am Klang und am Hören. Windlage und Klimaverhältnisse sind am Standort Magdalenenberg ideal um das unterschiedlich gefärbte Rauschen verschiedender Bäume wirksam werden zu lassen. Die räumliche und visuelle Gestaltung ist ganz und gar ortsspezifisch und auf das Keltengrab, seine Umgebung und seine Vorgeschichte abgestimmt. Neben künstlerischen und ökologischen Erwägungen spielt in dem Entwurf aus dem Jahre 2007 auch Zahlensymbolik eine Rolle. So ist etwa der Doppelkreis mit 13+5 Bäumen unter anderem auf den keltischen Mondkalender (mit 13 Monaten und 5 Achsentagen) abgestimmt. 4 Jahre danach wurden Forschungen veröffentlicht, die den Magdalenenberg als einen gigantischen Mondkalender ausweisen!
siehe: Keltenkalender im Schwarzwald



Dr. Friedemann Kawohl über das Arboretum auf dem Villinger Magdalenenberg:

Caroline Torra-Mattenklott: Vom Baumalphabet zum weissen Rauschen: Peter Ablingers experimentelle Poetik des Klangs

Weiss/Weisslich 26, Skizzen für ein Arboretum / sketches for an arboretum

Arboretum Seitelschlag, Ulrichsberg, Lageplan und Konzept, gepflanzt am 8.4.2008

siehe auch / see also:

Weiss/Weisslich 18, Baumrauschen

Opera/Werke, Landschaftsoper

Katalog "HÖREN hören / hearing LISTENING, dt.-engl.


back to: worklist

this page was created by Aljoscha Hofmann. last edited 07.11.2008 CET