Peter Ablinger:
Das Arboretum Magdalenenberg
Villingen, Schwarzwald
tree plantations according to acoustic criterias as, e.g., colour and intensity of noise, version Magdalenenberg, Villingen, Black Forest, Germany, unrealized
Das Arboretum Magdalenenberg
Entwurf zur Pflanzung mehrerer Baumkreise nach akustischen Gesichtspunkten
(nicht realisiert)
zum Standort:
Der Magdalenenberg in Villingen
Am südlichen Stadtrand von Villingen liegt der Warenberg. Die Anhöhe ist von der Umgebung im Flußdreieck Brig, Wolfach und Brigach gut sichtbar. Mitten auf dem Warenberg mit seinen 769 m Höhe erhebt sich ein riesiger keltischer Fürstengrabhügel, der größte Grabhügel Mitteleuropas. Er ist rund 8 m hoch und hat einen Durchmesser von 104 Metern.
Bei klarem Wetter hat man vom Hügel einen weiten Blick ins Land. Im Westen türmen sich die Schwarzwaldberge, im Norden zeichnet sich der Steilabfall der Schwäbischen Alb ab, die sich bis in den Osten erstreckt. Dazwischen zieht sich die weite Hochebene der Baar. Im Süden kann man bei Föhnwetter die Alpen erkennen.
Durch alle Zeiten hindurch hatte dieser Platz eine besondere Stellung. Eine Kapelle auf dem Berg, der Hl. Magdalena geweiht, gab ihm den Namen: Magdalenenberg.
(Aus: Der Magdalenenberg in Villingen von Mike Pantel)
Das auf seinen Klang hin gestaltete Arboretum ermöglicht die Wahrnehmung der Tatsache, dass unterschiedliche Baumarten im Wind unterschiedliche Formen und Klangfarben von Baumrauschen produzieren. Die visuelle Erscheinungsform eines Arboretums kann dabei verschiedene Formen annehmen. Die spezifische Anordnung richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten: Bodenbeschaffenheit, Geschichte, Grundstücksverhältnisse, Landschaftsbild und Art der Zugänglichkeit spielen dabei eine Rolle.
Ein Arboretum kann als Wegstrecke gestaltet sein, die es abzuwandern gilt, oder eine feste Hörerposition voraussetzen, von der aus die Bäume wahrgenommen werden wie ein Konzert. Es kann geometrisch angeordnet sein, z. B. als Baumkreis, oder wie im Englischen Garten die Natur nachbilden. Es kann monochrome, nur aus einer einzigen Spezies bestehende Klangräume schaffen oder wie ein Ensemblestück die unterschiedlichen Klangfarben der Bäume zur Geltung bringen etc.
Zu den verschiedenen Erscheinungsformen siehe:
Weiss/Weisslich 26,
Skizzen für ein Arboretum
Die Aufstellung der Bäume des Arboretums berücksichtigt praktische, außerkünstlerische Kriterien wie Bodenbeschaffenheit (nicht jede Baumart gedeiht z.B. auf kalkarmen Böden), Ökologie (nur ortsübliche Bäume
werden verwendet), Kulturlandschaftsschutz (die Kreisform des Keltengrabes wird weiter entwickelt), Wurzeltyp (ausgesprochene Flachwurzler würden sich nicht mit landwirtschaftlicher Nutzung vertragen) und rein klangliche Kriterien wie vor allem Lautstärke und Klangfarbe des Rauschens.
Die vom Keltengrab übernommene Kreisform bestimmt nun auch den Entwurf für das Arboretum auf dem Villinger Magdalenenberg.
2 konzentrische Kreise mit gemischten, aber ausschließlich hoch-
wüchsigen Baumsorten (Vorstudie, Fotomontage)
Der Entwurf zur Gesamtanlage besteht aus 6 Baumkreisen, davon 4 Kreise mit je nur einer einzigen Baumart, und einem konzentrischen Doppelkreis mit gemischten Bäumen, die gemeinsam mit der großen alten Eiche und dem Keltengrab ein Ensemble ergeben, das sich in seiner nord-südlichen Ausdehnung über knapp 500 Meter erstreckt.
Beschreibung der Gesamtanlage (siehe Bild unten) von links (Süden) nach rechts (Norden): südlicher Kreis bestehend aus 10 hochstämmigen Weißdorn-Bäumchen; rechts davon: die alte Eiche; unterhalb der Eiche, das grüne Kreisrund ist der Keltenhügel, im Osten an den Waldrand anschließend; rechts von der Eiche: Baumkreis mit 9 Espen (Zitterpappeln); anschließend der Doppelkreis mit innen 5, außen 13 Bäumen gemischter Spezies; unterhalb davon und näher am Wald: kleiner Birkenkreis mit 6 Bäumen; nördlichster Kreis: bestehend aus 8 Eichen; (noch weiter nördlich sind die zur Stadt Villingen abfallenden Streuobsthänge erkennbar).
Die Gesamtanlage mit einem konzentrischen Doppelkreis und 4 kleineren Kreisen. Norden ist im Bild rechts. (Fotomontage)
Primärer Anlass solcher Pflanzungen ist das Interesse am Klang und am Hören. Windlage und Klimaverhältnisse sind am Standort Magdalenenberg ideal um das unterschiedlich gefärbte Rauschen verschiedender Bäume wirksam werden zu lassen. Die räumliche und visuelle Gestaltung ist ganz und gar ortsspezifisch und auf das Keltengrab, seine Umgebung und seine Vorgeschichte abgestimmt. Neben künstlerischen und ökologischen Erwägungen spielt in dem Entwurf aus dem Jahre 2007 auch Zahlensymbolik eine Rolle. So ist etwa der Doppelkreis mit 13+5 Bäumen unter anderem auf den keltischen Mondkalender (mit 13 Monaten und 5 Achsentagen) abgestimmt. 4 Jahre danach wurden Forschungen veröffentlicht, die den Magdalenenberg als einen gigantischen Mondkalender ausweisen!
siehe: Keltenkalender im Schwarzwald
Dr. Friedemann Kawohl über das Arboretum auf dem Villinger Magdalenenberg: